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Donner ? Gibt es einen Wettergott?

Es gibt viele Mythen um die Entstehung von Donner ? doch wie entsteht er eigentlich wirklich, warum hört er sich unterschiedlich an und wie weit ist das Gewitter entfernt?

Gewitter sind beeindruckende Phänomene, doch um ihre Entstehung, vor allem um die der damit verknüpften Geräusche, also der Donner, gibt es viele Mythen. Bei den frühen Völkern gab es nur eine mögliche Erklärung für die Entstehung von Donner, Wind und Regen, und zwar die einer Himmelsgottheit. In vielen Kulturen gab es Donnergötter, die immer etwas unterschiedlich ausgelegt waren. In der griechischen Mythologie war es Zeus, bei den Römern Jupiter, beide erhielten Donner und Blitz als Waffe. Beim nordgermanischen Donnergott Thor, entstand Donner dagegen dadurch, dass er mit einem Wagen durch den Himmel rollte und dabei von Ziegenböcken gezogen wurde. Was aber alle Mythen gemeinsam haben ist, dass sie wissenschaftlich eindeutig nicht belegbar sind.

 Wie entsteht Donner denn jetzt wirklich? Ohne Blitz, kein Donner.

Donner sind das krachende oder grummelnde Geräusch, das von einem Blitz während eines Gewitters erzeugt wird. Sie entstehen durch sehr starkes Erhitzen des Blitzkanals in extrem kurzer Zeit (Bruchteil einer Sekunde). Sehr starkes Erhitzen bedeutet hier Temperaturen von über 30 000 Grad. Zum Vergleich: An der Oberfläche der Sonne werden knapp 6000 Grad erreicht. Durch die extrem kurze Zeitdauer hat die Luft eigentlich gar keine Zeit, um sich auszudehnen, was sie aber bei einem Temperaturanstieg anstrebt. Dadurch entsteht ruckartig ein sehr hoher Druck innerhalb des Blitzkanals verglichen mit der Umgebung.

Das nun folgende schnelle Ausbreiten dieses hohen Drucks in alle Richtungen wird als ?Schockwelle? bezeichnet. Der Druck breitet sich zunächst mit Überschallgeschwindigkeit aus. Wenn die Schockwelle dann weit genug vom Blitzkanal entfernt ist, ist der Druckunterschied gering genug und die Welle breitet sich dann nur noch mit Schallgeschwindigkeit aus und der Donner wird hörbar.

 Aber warum hört sich Donner unterschiedlich an? Der Unterschied liegt vor allem an der Ausrichtung des Blitzkanals. Ist dieser rechtwinklig zum Beobachter, erreichen alle Schallwellen des gesamten Blitzkanals den Beobachter ziemlich genau zur gleichen Zeit. So hört der Beobachter nur einen, dafür sehr lauten Donner, der einem Knall ähnelt. Ist der Blitzkanal dagegen zum Beobachter hin geneigt, wird an jedem Ort des Blitzkanals eine Druckwelle erzeugt, die dann jeweils zu unterschiedlichen Zeiten beim Beobachter eintreffen.

Dadurch entsteht das bekannte ?Rollen? oder ?Rumpeln? des Donners.

Klar ist auch, je weiter der Beobachter sich vom Gewitter weg befindet, desto leiser ist der Donner zu hören. Ab einer entsprechenden Entfernung ist der Donner nicht mehr zu hören, sondern nur noch der Blitz zu sehen. Dieses Phänomen wird dann als Wetterleuchten bezeichnet.

 Wie weit ist das Gewitter entfernt? Um die Entfernung des Gewitters zum Beobachter zu bestimmen, gibt es eine Faustregel. Hierfür ist es gut zu wissen, dass sich Blitz und Donner unterschiedlich schnell ausbreiten. Die Schallgeschwindigkeit beträgt ungefähr 340 Meter pro Sekunde, das bedeutet, dass sich das Geräusch, das wir als Donner wahrnehmen, mit 340 Metern pro Sekunde ausbreitet. Die Lichtgeschwindigkeit ist dagegen mit fast 300 000 Metern pro Sekunde deutlich größer, sodass der Blitz für den Beobachter früher zu sehen ist als der dazugehörige Donner. Um die Faustregel jetzt auch wirklich anwenden zu können, muss ein Donnern eindeutig einem Blitz zugeordnet werden. Wenn dies der Fall ist können die vergangenen Sekunden zwischen dem Aufleuchten des Blitzes und dem Wahrnehmen des dazugehörigen Donners gezählt werden. Diese Zahl der gezählten Sekunden kann nun durch 3 geteilt werden und man erhält den ungefähren Abstand des Gewitters in Kilometern. Der tatsächliche Abstand ist aber minimal größer, da hier nur mit einer Näherung gerechnet wird. Wer es etwas genauer haben möchte, multipliziert die gezählten Sekunden zwischen Blitz und Donner mit 340 und erhält den Abstand des Gewitters in Metern.

 Zum Schluss bleibt nur zu sagen ?Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz.? Denn wie jetzt bekannt sein sollte, entstehen Donner nur, weil es Blitze gibt und das hat nichts mit irgendwelchen Himmelsgöttern zu tun, die mit einem Wagen im Himmel herumfahren.

 

 

Praktikantin Jana Schitthof mit Dipl.-Met. Marcel Schmid.

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 26.08.2022

 

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Diesen Artikel und das Archiv der "Themen des Tages"

finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Alarmierende Gletscherschmelze in den Alpen

 

Dem "Ewigen Eis" in den Alpen geht es im diesjährigen Sommer besonders dramatisch an die Substanz. Die Gletscherschmelze könnte somit besonders extrem stark ausfallen und den ohnehin schon angespannten Aderlass der Gletscher beschleunigen.

 

 

Allein die Webcams aus den Gletscherregionen der Zentralalpen zeigen bereits eindrucksvoll das massive Schmelzen der für die Gletscher so wichtigen schützenden Schneeschicht. Beispielhaft sei hier der Vergleich vom Kleinfleißkees zwischen diesem und letztem Jahr (Abbildung 1 und 2; mit freundlicher Unterstützung von

www.foto-webcam.eu) gewählt. Auf dem Gipfel des 3106 m Sonnblicks (oben rechts in den Abbildungen 1 und 2) betreibt die Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik (ZAMG) am Alpenhauptkamm ein Observatorium. Besonders eindrücklich wird es zudem, wenn man sich dazu noch die nackten Zahlen vor Augen führt. Am Observatorium am Sonnblick beträgt die Schneehöhe aktuell nur noch 26 cm, ein Negativrekord für diese Jahreszeit. Hält der Trend an, dann ist der Sonnblick in wenigen Tagen praktisch schneefrei.  Auf der Zugspitze gibt es seit fast zwei Wochen keine geschlossene Schneedecke mehr, nur noch Schneeflecken. Das wird auch beim Blick auf den Schneeferner unterhalb des Gipfels sichtbar (Abbildung 3). Ähnlich früh lag zuletzt 1960 so wenig Schnee. Die tiefer gelegenen Gletscherregionen sind daher oft schon aper, sprich das blanke Eis ist zu sehen. Zum Teil liegt das Eis soweit frei, wie es normalerweise erst im August der Fall ist. Und jenes Eis schmilzt nun seit einigen Wochen besonders rasant. Selbst in den höchsten Lagen schützt nur noch wenig Schnee das Gletschereis. Normalerweise würden in den Lagen oberhalb von 3000 m um diese Jahreszeit noch rund 2 bis 3 m Schnee liegen.

 

Welche Faktoren sind für die außerordentlich dramatische Lage der Gletscher in den Alpen verantwortlich? Da wäre zum einen der Winterniederschlag. Das Winterhalbjahr war in den inneralpinen Regionen, wo die meisten Gletscherregionen liegen, aber insbesondere auch südlich des Alpenhauptkamms besonders schneearm. Lediglich in einigen Staulagen der Nordalpen brachte vor allem der Februar etwas überdurchschnittlich Niederschlag. Allerdings profitierten von den Neuschneemengen nur die Hochlagen, da der Winter erneut überdurchschnittlich mild ausfiel. Im Frühjahr setzte sich dann die schneearme Lage fort.

 

Des Weiteren gab es vor allem Mitte März mehrere teils intensive Saharastaubereignisse. Der Staub setzte sich auf dem Schnee ab und machte ihn besonders schmutzig. Zwar wurde dieser zwischenzeitlich mal von Neuschnee überlagert aber spätestens ab Mai war der Staub wieder an der Oberfläche. Der dunkle Staub verringerte dabei das Reflexionsvermögen (Albedo) des Schnees und erhöht im Gegenzug die Absorption der Sonnenenergie. Dadurch wurde der Schmelzprozess enorm beschleunigt.

 

Während in den letzten drei Jahren der Mai relativ kühl ausfiel, war jener in diesem Jahr deutlich zu warm. Vor allem in den westlichen Regionen war es sogar teilweise der wärmste Mai der Messgeschichte.

Streckenweise verlief der Mai schon hochsommerlich, sodass es dem Schnee in Kombination mit dem vorhandenen Saharastaub sehr früh und besonders stark an den Kragen ging. Und auch der nun zurückliegende Juni fiel besonders warm, ja teils sogar sehr heiß, aus. Neben viel Sonne waren aber auch häufig heftige Gewitter unterwegs. Für die Gletscherregion war das freilich nicht gut verträglich, wie die oben genannten Schneehöhen beweisen. Die Nullgradgrenze lag oft in 4000 Meter oder teils darüber und auch in den Nächten reicht es auf den Gletschern nur selten für leichten Frost.

 

In den nun anstehenden Sommermonaten Juli und August wären für die Gletscher kühlere Phasen mit halbwegs regelmäßigem Neuschnee notwendig. Der Neuschnee würde die dunkleren Eisflächen mit dem teils darauf lagernden Staub oder Geröll überdecken und so die Albedo im Bereich der Gletscherregionen deutlich erhöhen. Allerdings sieht es in den Kurz- sowie in den Mittelfristprognosen derzeit nicht nach einem markanten Kaltlufteinbruch mit Sommerschnee aus. Generell ist die Wahrscheinlichkeit für solche wichtigen Schneefallereignisse im Sommer mit dem wärmer werdenden Klima zurückgegangen.

 

Mit den genannten Vorbedingungen droht den Gletschern in diesem Jahr somit ein besonders großer, wenn nicht gar historischer, Aderlass und Flächenverlust. Ohne die schützende Schneedecke kostet den Gletschern jeder heiße und sonnige Tag rund zehn Zentimeter Eis. Bis Ende September dauert im Schnitt die Ablationsperiode, jene Phase also in der im Massenhaushalt eines Gletschers die Ablation (also das Abschmelzen bzw. Sublimieren von Schnee und Eis) die Akkumulation überwiegt. Neben dem Flächenverlust dürfen auch die Einbußen in der Mächtigkeit der Gletscher vernachlässigt werden. Zuletzt sei noch ein Blick auf einen besonders markanten Gletscher gerichtet.

 

Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs und der längste der Ostalpen, droht gar in diesem Sommer auseinanderzubrechen. In den letzten Jahren hat sich die Gletscherzunge in der Größenordnung von rund fünfzig Metern pro Jahr zurückgezogen. Die Eisdicke nahm im Mittel etwa um 5 Meter pro Jahr ab, wobei es im untersten Bereich der Gletscherzunge sogar bis rund neun Meter waren. Der untere Bereich des Gletschers ist inzwischen nur noch über einen dünnen Eisstreifen mit dem oberen Teil verbunden (rot markierte Bereich in Abbildung 4).

Sollte dieser nur mehr wenig mächtige Eisstrom in diesem Sommer abschmelzen, dann wäre der untere Teil vom Eisnachschub abgetrennt.

Als Folge daraus, würde die Gletscherzunge in einem Zeitraum von etwa

10 bis 20 Jahren gänzlich verschwinden.

Insgesamt gehen die Glaziologen davon aus, das bis zur Mitte des Jahrhunderts die Alpen etwa 50 Prozent ihres derzeitigen Eisvolumens einbüßen könnten. Der Gletscherrückgang hätte große Auswirkungen auf die Alpen, da die Gletscher ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, der Landschaft und der Wirtschaft der Region sind. Sie dienen als natürlicher Süßwasserspeicher für Flora und Fauna sowie für Landwirtschaft und Wasserkraft.

 

 

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 01.07.2022

 

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Frühlingsbeginn

Das Wetter in diesem bald endenden Winter hat viele eher an den Herbst als an den Winter denken lassen. Das aktuelle Wetter erinnert nun schon langsam an den Frühling, aber wann beginnt dieser eigentlich?

 

Sehr viel Sonnenschein und endlich kein Sturm mehr! Die Temperaturen sind zum Teil zwar noch verhalten, insbesondere im Süden, im Norden erreichten sie aber bereits am gestrigen Samstag gebietsweise zweistellige Werte. Deutschlandweiter Spitzenreiter in Sachen Tageshöchsttemperatur mit 11,7 Grad war die Station Leuchtturm Kiel (Schleswig-Holstein). Wer sich draußen aufhielt, konnte in der Sonne schon deren Kraft spüren. Und auch die Tageslänge nimmt derzeit pro Tag 3 bis 4 Minuten zu. Bei vielen kommen deshalb Frühlingsgefühle auf. Grund genug zu klären, wann der Frühling eigentlich beginnt.

Darauf gibt es vier Antworten.

 

Antwort 1 ist trivial und wird von den Meteorologen geliefert. Für diese beginnt die neue Jahreszeit am kommenden Dienstag, also am 1.

März 2022 um 0 Uhr MEZ und dauert wie alle anderen Jahreszeiten genau drei Monate.

 

Antwort 2 kommt aus der Astronomie. Der astronomische (auch

kalendarische) Frühlingsanfang ist der in Bevölkerung am geläufigsten und richtet sich nach dem Sonnenstand. Da die Erde zur Sonne geneigt ist, "wandert" der Punkt, an dem die Sonne mittags senkrecht auf die Erde scheint, im Laufe des Jahres durch die Umrundung der Erde um die Sonne von Süden nach Norden und umgekehrt. Steht die Sonne nun genau über dem Äquator senkrecht (Äquinox oder "Tag- und Nachtgleiche"), dann ist entweder Frühlings- oder Herbstanfang. In diesem Jahr wird das am 20. März 2022 um 16:33 Uhr MEZ sein (Herbstbeginn ist am 23.

September 2022 um 3:03 Uhr MESZ).

 

Warum aber haben Meteorologen einen anderen Frühlingsbeginn festgelegt als den astronomischen? Diese Einteilung wurde vor Beginn des Computerzeitalters im 20. Jahrhundert getroffen, da sich ganze Monate einfacher statistisch auswerten lassen. Darüber hinaus stellte man im Laufe der Zeit aber auch fest, dass die meteorologischen Jahreszeiten die klimatische Situation der Jahreszeiten besser widerspiegeln als die astronomischen Jahreszeiten.

 

Antwort 3 wiederum ist in der Natur zu finden. In der Phänologie werden die im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen betrachtet und in Phasen eingeteilt. Nach der phänologischen Uhr gibt es im Frühling drei

Phasen: Vor-, Erst- und Vollfrühling (siehe die Grafik der aktuellen phänologischen Jahresuhr unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2022/2/27_Bild.png).

Ihren jeweiligen Beginn kann man durch sogenannte Leit- bzw.

Ersatzphasen ermitteln. Als Leitphase für den Vorfrühling dient dabei der Blütenbeginn der Hasel, für den Erstfrühling der Blütenbeginn der Forsythie und für den Vollfrühling der Blütenbeginn der Apfelbäume.

Für die jeweiligen Phasen konnte aus Beobachtungen in den letzten Jahren ein mittleres Eintrittsdatum gefunden werden. Demnach beginnt der Vorfrühling durchschnittlich am 11. Februar, der Erstfrühling am 25. März und der Vollfrühling am 27. April.

 

In diesem Jahr hat die Natur aufgrund des zu milden Winters einen Vorsprung. So begann der Vorfrühling bereits am 26. Januar und damit

16 Tage vor dem vieljährigen Mittel. Diesen Vorsprung hat die Natur aufgrund der eher milden Witterung seitdem nur ein wenig eingebüßt.

So wird der Beginn der Forsythienblüte bei einem Meldeaufkommen von allerdings bisher nur 5 % aktuell etwa 11 Tage vor dem mittleren Eintrittsdatum erwartet. Hochgerechnet auf den Erstfrühling würde dieser bei vollem Meldeaufkommen von 100% also am 14. März beginnen (weitere Informationen und aktuelle Daten zum Thema Phänologie finden Sie unter www.dwd.de/phaenologie).

 

Antwort 4 auf die eingangs gestellte Frage lässt sich aus statistischen Betrachtungen finden. Dazu hat der Autor dieses Textes (recht willkürlich) einen ?statistischen Frühlingsbeginn? definiert, wobei an drei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens an zwei Tagen eine Höchsttemperatur von über 15 Grad erreicht werden soll und es dabei vorherrschend trocken und heiter sein soll. Schaut man sich die vergangenen rund 15 Jahre an, so begann der Frühling diesen Kriterien nach im Norden (repräsentiert durch Hamburg) durchschnittlich am 31.

März und im Süden (vertreten durch München) am 16. März.

 

Von drei Tage 15 Grad oder mehr bei viel Sonnenschein sind wir trotz des sonnigen Wetters derzeit noch ein gutes Stück entfernt, auch wenn die 15-Grad-Marke im Laufe der Woche im Westen lokal angekratzt werden könnte. So oder so, genießen Sie die warmen Sonnenstrahlen draußen, egal wann der Frühling nun tatsächlich beginnt.

 

Dipl.-Met. Simon Trippler

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 27.02.2022

 

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Heute betrachten wir die gefallenen Niederschlagsmengen im kürzlich zu Ende gegangenen meteorologischen Winter im Detail.

 

Nach dem trockenen Herbst schien der Winter 2021/2022 zunächst diesen Trend fortsetzen zu wollen, doch peu à peu drehte der Winter den Wasserhahn weiter auf, sodass die Wasserspeicher im Boden gefüllt werden konnten. Im deutschlandweiten Flächenmittel kamen insgesamt

204 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zusammen und damit 113% (107%) der durchschnittlichen Regenmenge aus der Referenzperiode 1961-1990 (1991-2020). [Bezüglich der Periode 1981-2010, die der radarbasierten Niederschlagsauswertung zugrunde liegt, betrug die Abweichung nur 5%.] Wie der Niederschlag über die einzelnen Monate verteilt war, schauen wir uns im heutigen Thema des Tages an.

 

Beginnen wir mit dem Dezember, der - wie bereits angesprochen - die Serie von eher niederschlagsarmen Monaten fortsetzte. Mit 61,4 l/m² fielen 88%* (87%**) der durchschnittlichen Monatsmenge. Wie man auf der beigefügten Grafik anhand der roten Farben erkennen kann, war der Dezember vor allem in der Mitte und im Norden des Landes zu trocken.

Besonders trocken war es von Nordhessen und Ostwestfalen über Südniedersachsen bis zum Harz und Thüringer Wald, wo vielerorts nur

25 bis 40% des Monatssolls erreicht wurden. So wurden in Eisenach

(Thüringen) mit 16,3 l/m² nur 27% der durchschnittlichen Niederschlagsmenge erreicht. Noch trockener war es im Lee (windabgewandte Seite) des Harzes. In Quedlinburg und Arnstein-Ulzigerode (beide Sachsen-Anhalt) kamen nur 15,1 bzw. 13,5 l/m² zusammen. Südlich des Mains war die Niederschlagsbilanz in etwa ausgeglichen, entlang und südlich der Donau regnete bzw. schneite es stellenweise sogar deutlich mehr als in einem durchschnittlichen Dezember. In Augsburg gelangten 80 l/m² in den Messtopf, was 185% der üblichen Regenmenge entspricht. Der nasseste Ort (Bernau-Goldbach) ist allerdings im Südharz anzutreffen, wo sogar 301 l/m² (137%) gemessen wurden. 

 

Der Januar kam im Bundesdurchschnitt auf 58,2 l/m², was bezüglich der Referenzperiode 1961-1990 mit 96% eine weitgehend ausgeglichene Bilanz darstellt. Bezüglich der nasseren Periode 1991-2020 betrug die negative Abweichung etwa 10%. Allerdings sind große regionale Unterschiede auffällig. In der Nordhälfte sowie ganz im Süden verlief auch der zweite Wintermonat zu trocken. In Königsborn nahe Magdeburg war Regen und Schnee mit nur 12,9 l/m² (37%) Mangelware. In der Feldberg-Region im Schwarzwald und im Bodenseeraum wurden stellenweise weniger als ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge erfasst. Am höchsten Schwarzwald-Gipfel kamen mit 47 l/m² nur 28% und in Deggenhausertal-Azenweiler 31% des Monatssolls (23 l/m²) zusammen.

Ganz anders verlief der Monat in Südhessen sowie im Osten Thüringens.

Mehrere Regenereignisse brachten dort viel Nass von oben. In Suhl-Heidersbach prasselten 192 l/m² vom Himmel, in Mertendorf waren es 88 l/m², was an beiden Orten mit 231% mehr als der doppelten Niederschlagsmenge eines durchschnittlichen Januars entspricht.

 

Der kürzlich zu Ende gegangene Februar war geprägt von einer strammen westlichen Strömung, bei der sich Tiefs die Klinke in die Hand gaben und beständig feuchte Meeresluft zu uns schaufelten. Folglich summierte sich der Niederschlag auf 81 l/m² im deutschlandweiten Flächenmittel, was 170%* (158%**) des vieljährigen Mittels entspricht. Vor allem über den Norden zogen wiederholt kräftige Regengebiete hinweg, die dort zu Überschwemmungen führten. Im gesamten Bundesland Schleswig-Holstein wurde mehr als die dreifache Monatssumme erfasst. Regional prasselte dort sowie im Nordwesten Niedersachsens und in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern sogar die

vier- bis fünffache Regenmenge eines üblichen Februars vom Himmel, wie beispielsweise in Dörnick nahe Kiel mit 165 l/m² (498%). Das häufige Westgebläse sorgte auch für extreme Luv-Lee-Effekte.

Besonders in den West- und Südweststaulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge wurden die Regenwolken regelrecht ausgepresst. Daher wurde mit 364 l/m² (343%) in Suhl-Gehlberg am Thüringer Wald die größte Regenmenge gemessen. Im Lee der Mittelgebirge kam oft nicht viel Regen an. So war es in Quedlinburg und in Aschersleben-Mehringen im Harzlee mit 25 bzw. 21 l/m² ziemlich trocken. Nur 35 bzw. 60 km westlich dieser beiden Orte fiel in Braunlage im Stau des Harzes mit 318 l/m² (343%) die 12,5- bzw.

15-fache Regenmenge! Am trockensten war es im Gäuboden in Niederbayern (z.B. Geiselhöring: 16 l/m², 40%) sowie im Oberrheingraben im Lee der Vogesen (z.B. Vogtsburg-Bischoffingen: 19 l/m², 48%).

 

Summa summarum war der Winter also leicht zu nass, jedoch mit regionalen Unterschieden. Wegen des sehr nassen Februars wurde im Norden vielerorts die 1,5- bis zweifache Niederschlagsmenge erreicht, teils auch mehr (z.B. Dörnick: 279 l/m², 206%), ebenso wie im Stau einiger Mittelgebirge (z.B. Ellrich-Werna im Harz: 234 l/m², 238%).

Der niederschlagsreichste Ort war allerdings mit 717 l/m² (136%) die Zugspitze. Am wenigsten Niederschlag wurde mit gerade einmal 64 l/m²

(63%) in Königsborn gemessen. Die größten negativen Abweichungen vom vieljährigen Mittel gab es hingegen vom südlichen Alpenvorland bis zum Oberrhein. Am Feldberg im Schwarzwald wurden mit 220 l/m² nur 44% und in Blumberg-Randen am Südostrand des Schwarzwalds mit 112 l/m² Niederschlag 48% eines üblichen Winters erreicht.

 

Blockierende Hochdruckgebiete versperren seit Ende Februar Regenfronten den Weg nach Deutschland. Ob der Frühling regenreich oder trocken ausfällt, können wir aber erst in knapp drei Monaten abschließend beurteilen.

 

* Referenzperiode 1961-1990, ** Referenzperiode 1991-2020

 

 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 05.03.2022

 

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Im dritten und letzten Teil unseres Extremwetterrückblickes schauen wir auf die Monate September bis Dezember des Jahres 2021: vom Spätsommer über den Vollwinter zum Frühling am Jahresende.

 

September - Doch noch Spätsommer

 

In der ersten Septemberhälfte dominierte eine spätsommerlich warme Hochdruckwetterlage. Die am 9. und 10. von lokal kräftigen Gewittern beendet wurde. Etwas benachteiligt war der Norden, wo Tiefausläufer häufig für Regen und dichtere Wolken sorgten. In der 2. Monatshälfte stellte sich dann landesweit etwas unbeständigeres und kühleres Wetter ein. Ein schwaches Sturmtief traf die Küste am 30.09.

Spektakuläre Bilder erreichten uns an diesem Tag aus Kiel. Ein Tornado verletzte dort 7 Menschen. Insgesamt war der September zu warm und der trockenste seit 15 Jahren.

 

Oktober - Trockener ansonsten durchschnittlicher Herbstmonat

 

Am Anfang des Monats stellte sich eine Südwestwetterlage ein, bei der es letztmalig am 3.10. im Süden sommerlich warm wurde. Nach einer kurzen unbeständigen Witterungsphase führte ein Hochdruckgebiet trockene Luft aus dem Osten heran. Am 10.10. gab es im Tiefland den ersten Nachtfrost. Anschließend setzte sich eine unbeständige und kühle Nordwestwetterlage durch. Am 20.10. fegte Sturmtief "Hendrik", der erste und kräftigste Sturm der Saison mit orkanartigen Böen über die Mitte. Der Rest des Monates verlief ruhig. Am 31.10. sorgte Saharaluft für ungewöhnliche Wärme und ließ die Temperatur nochmal auf 22 °C ansteigen. Insgesamt war aber das Temperaturniveau des Oktobers durchschnittlich. Unterm Strich war der Oktober niederschlagsarm.

 

November - Weiße Überraschung am 1. Advent

 

Im November wechselten sich unbeständige Trogwetterlagen mit meist nebligen Hochdruckphasen ab. Am 10.11. sorgte ein V-b-Tief für länger andauernden Regen in der Osthälfte, wobei gebietsweise über 50 l/m² in 24 Stunden zusammenkamen. Dies ist mehr als das sonst übliche Monatsmittel und war an manchen Stationen ein Rekord für das Winterhalbjahr. Der November verlief somit im Osten zu nass. In der Westhälfte gab es nur manchmal wenig ergiebige Schauer und es war deutlich zu trocken. Pünktlich zum 1. Adventswochenende sorgte ein Kaltlufteinbruch zunächst in den Mittelgebirgen, danach auch gebietsweise in tieferen Lagen für den ersten Schnee. Zusammengefasst war der November sehr sonnenarm mit der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen.

 

Dezember - Die Luftmassengrenze ist wieder da

 

Der letzte Herbststurm namens "Daniel" sorgte im Norden mit schweren Sturmböen und orkanartigen Böen an der Küste für einen stürmischen Dezemberstart. Die erste Dezemberdekade verlief dank einer Nordwestwetterlage zu kühl. Zeitweilige Schneefälle gab es sogar im Flachland, während die Mittelgebirge einwinterten. Die Umstellung kam allerdings am 12.12. mit einer Glatteislage. Anschließend etablierte sich ein ungewöhnlich kräftiges Hoch über West- und Mitteleuropa, das für viel Hochnebel und milde Temperaturen sorgte. Am 20.12. gelangte an der Ostflanke des nach Westen wandernden Hochs ein Schwall arktischer Kaltluft nach Deutschland, die teilweise tagsüber für Dauerfrost und mäßige Nachtfröste sorgte. Am 23.12. wurde diese Kaltluft während einer Glatteislage in den Nordosten zurückgedrängt.

Über die Feiertage beschäftigte uns dann eine Luftmassengrenze zwischen arktischer Kaltluft im Nordosten und milder Atlantikluft im Südwesten. In der Nacht zum 24.12. erreichte diese Luftmassengrenze die Mitte und brachte dort pünktlich zu Weihnachten etwas Schnee.

Während über Weihnachten im Nordosten tagsüber Dauerfrost bis -8 °C und nachts strenger Frost bis -18 °C herrschte, wurde es im Südwesten bis zu 11 °C warm. An der Luftmassengrenze gab es Unwetter durch teils erhebliches Glatteis in der Mitte Deutschlands. Im weiteren Verlauf setzt sich eine ungewöhnlich milde Westwetterlage durch, bei der die Höchstwerte bis zu 17 °C erreichten. Insgesamt war auch der Dezember durchschnittlich warm, sonnenscheinarm und etwas zu trocken.

 

 

Nach dem vergleichsweise ruhigen Jahr 2020 schien das Jahr 2021 alles das nachzuholen, was das Vorjahr verpasst hatte. Für uns war es eines der unwetterträchtigsten Jahre des vergangenen Jahrzehnts. Das DWD-Team wünscht Ihnen ein frohes und gesundes neues Jahr 2022.

 

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 01.01.2022

 

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